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Praxis

Stromverbrauch verschieben: Welche Geräte lohnen sich wirklich

Nicht jedes Gerät bringt bei einem dynamischen Stromtarif gleich viel. Was Studien zu E-Auto, Wärmepumpe, Waschmaschine & Co. tatsächlich zeigen.

Von Daniel Benz3 Min. Lesezeit

Nicht jedes Gerät bringt bei einem dynamischen Stromtarif gleich viel Ersparnis durch Lastverschiebung. Laut einer Simulationsstudie von Neon Neue Energieökonomik (2025) bringt der reine Tarifwechsel ohne E-Auto oder Wärmepumpe nur 20–70 € im Jahr, mit intelligent gesteuertem E-Auto-Laden oder Wärmepumpenbetrieb dagegen mehrere Hundert Euro, mit zusätzlichen Netzentgelt-Rabatten nach §14a EnWG bis zu 985 € bei Kombination beider Geräte. Klassische Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Trockner oder Geschirrspüler haben einen deutlich kleineren Verbrauch pro Nutzung und damit auch einen kleineren Verschiebe-Effekt. Kühlschrank, Gefriertruhe und Herd lassen sich aus funktionalen Gründen praktisch nicht verschieben.

Ein dynamischer Stromtarif lohnt sich vor allem durch Lastverschiebung — aber nicht jedes Gerät bringt dabei gleich viel. Große, flexibel steuerbare Verbraucher machen den Unterschied, kleine Haushaltsgeräte nur einen Bruchteil davon.

Die großen Hebel: E-Auto und Wärmepumpe

Eine Simulationsstudie von Neon Neue Energieökonomik (im Auftrag von Naturstrom, Zeitraum September 2024 bis August 2025) zeigt die Größenordnung: Ohne E-Auto oder Wärmepumpe bringt der reine Tarifwechsel zu einem dynamischen Tarif nur 20–70 € Ersparnis im Jahr. Mit steuerbaren Großverbrauchern sieht das anders aus:

  • E-Auto (Beispielhaushalt: Pendlerin, rund 10.400 km/Jahr): Intelligentes, preisgesteuertes Laden senkt die Ladekosten von 537 €/Jahr (bei sofortigem Laden) auf 373 €/Jahr — ein Minus von 31 %. Mit zusätzlichem Netzentgelt-Rabatt nach § 14a EnWG sogar auf 94 €/Jahr (−82 %).
  • Wärmepumpe (Einfamilienhaus, 17.500 kWh Wärmebedarf/Jahr): Intelligentes Heizen spart allein durch die Tarif-Flexibilität 124 €/Jahr, mit Netzentgelt-Rabatten bis zu 482–525 €/Jahr — mehr als ein Viertel der Wärmepumpen-Stromkosten.
  • Kombination E-Auto + Wärmepumpe: 288 €/Jahr durch dynamischen Tarif und intelligente Steuerung, bis zu 985 €/Jahr (ein Viertel der gesamten Stromrechnung) mit zusätzlichen Netzentgelt-Rabatten.

Der §14a-EnWG-Netzentgeltrabatt setzt eine steuerbare Verbrauchseinrichtung voraus — Details dazu im verlinkten Artikel.

Haushaltsgeräte: kleiner, aber messbarer Effekt

Bei klassischen Haushaltsgeräten ist der Verbrauch pro Nutzung deutlich geringer, entsprechend kleiner der Verschiebe-Effekt:

  • Waschmaschine: ein effizientes Neugerät verbraucht laut co2online rund 0,6 kWh pro Waschgang, ein altes Gerät rund 0,9 kWh (Jahreswerte: 137 kWh vs. 205 kWh bei 220 Wäschen).
  • Wäschetrockner: ein Wärmepumpentrockner kommt auf rund 1 kWh pro Trocknung, ein alter Ablufttrockner auf rund 3 kWh (156 kWh vs. 485 kWh bei 160 Trocknungen jährlich) — hier macht schon die Gerätewahl mehr aus als die Verschiebung selbst.
  • Geschirrspüler: moderne Geräte liegen laut Umweltbundesamt bei unter 1 kWh pro Spülgang, das ECO-Programm ist dabei die sparsamste Option.

Bei einer Preisspanne von wenigen Cent pro kWh zwischen günstiger und teurer Stunde bedeutet Verschieben bei diesen Geräten realistisch einen niedrigen einstelligen Cent-Betrag pro Nutzung — spürbar erst in der Summe über viele Anwendungen im Jahr, nicht als Einzeleffekt.

Was sich nicht sinnvoll verschieben lässt

Kühlschrank und Gefriertruhe laufen laut Umweltbundesamt rund um die Uhr und gehören mit 20–80 € Stromkosten im Jahr (je nach Modell und Alter) zu den größeren Dauerverbrauchern im Haushalt — ihr Betrieb ist aber an die ununterbrochene Kühlkette gebunden und lässt sich nicht in günstige Stunden verlegen, ohne die Kühlfunktion zu gefährden. Kochen am Herd ist ebenfalls kaum verschiebbar, schlicht weil die Essenszubereitung an eine bestimmte Uhrzeit gebunden ist.

Wie groß ist die Preisspanne tatsächlich?

Laut Bundesnetzagentur lag der durchschnittliche Day-Ahead-Preis 2025 bei 89,32 €/MWh, mit negativen Preisen in 573 von 8.760 Stunden und Preisen über 300 €/MWh in 40 Stunden. Die Jahresextreme lagen 2024 zwischen −135 €/MWh und 936 €/MWh. Wie groß die Preisspanne an einem konkreten Tag ausfällt, zeigt die Seite Strompreis heute & morgen mit aktuellen SMARD-Daten — pauschale Tagesdurchschnittswerte gibt es dafür nicht, da die Spanne stark wetter- und wochentagsabhängig schwankt.

Lohnt sich der Wechsel auch ohne Lastverschiebung?

Nicht nur die Verschiebung selbst zahlt sich aus: Ein Gutachten des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands kam für das erste Halbjahr 2024 zu dem Ergebnis, dass ein dynamischer Tarif für zwei von drei untersuchten Beispielhaushalten selbst ohne gezielte Lastverschiebung die günstigste Option war.

Häufige Fragen

Welches Gerät bringt bei Lastverschiebung am meisten Ersparnis?

E-Auto und Wärmepumpe, da sie den größten Stromverbrauch haben und sich zeitlich am flexibelsten steuern lassen. Laut einer Neon-Simulationsstudie (2025) sind bei ihrer Kombination mit intelligenter Steuerung und Netzentgelt-Rabatten bis zu 985 € Ersparnis im Jahr möglich.

Lohnt sich die Lastverschiebung bei Waschmaschine oder Geschirrspüler überhaupt?

Der Effekt ist real, aber klein: Bei einem Verbrauch von unter 1 kWh pro Nutzung bedeutet Verschieben in günstige Stunden meist nur einen niedrigen einstelligen Cent-Betrag pro Waschgang oder Spülgang.

Kann ich den Kühlschrank in günstige Stunden verschieben?

Nein. Kühlschrank und Gefriertruhe müssen laut Umweltbundesamt ununterbrochen laufen, um die Kühlkette nicht zu gefährden — eine zeitliche Verschiebung des Betriebs ist hier nicht sinnvoll möglich.

Quellen

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