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Grundlagen

Wie entsteht der Börsenstrompreis? Day-Ahead-Markt und Merit-Order erklärt

Warum der Strompreis stündlich schwankt: Wie die Day-Ahead-Auktion an der EPEX Spot funktioniert und was die Merit-Order damit zu tun hat.

Von Daniel Benz2 Min. Lesezeit

Der Day-Ahead-Strompreis entsteht an der Strombörse EPEX Spot in einer täglichen Auktion (Orderbuch-Schluss 12:00 Uhr für Deutschland/Luxemburg, Ergebnisse ab ca. 12:55 Uhr) nach dem Merit-Order-Prinzip: Kraftwerke werden nach Grenzkosten sortiert, das teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt den einheitlichen Preis für die gesamte Stunde. Wind- und Solarstrom haben kaum variable Kosten und drücken den Preis bei hoher Einspeisung stark nach unten — teils bis unter null. Dynamische Stromtarife geben diesen Preis stundengenau an Endkund:innen weiter.

Wer einen dynamischen Stromtarif hat, zahlt einen Preis, der sich stündlich (bzw. seit der EU-weiten Umstellung viertelstündlich) ändert. Damit dieser Preis überhaupt entsteht, braucht es eine Strombörse und ein Marktprinzip, nach dem sie funktioniert.

Die Day-Ahead-Auktion

Der Day-Ahead-Handel findet an der EPEX Spot statt, der European Power Exchange für Deutschland und weitere europäische Länder. Kraftwerksbetreiber und Stromhändler geben dort täglich Gebote für die Lieferung von Strom am Folgetag ab — für jede einzelne Stunde (bzw. jedes Viertelstundenintervall) getrennt. Der Orderbuch-Schluss für das deutsch-luxemburgische Marktgebiet liegt um 12:00 Uhr mittags, die Ergebnisse werden ab etwa 12:55 Uhr veröffentlicht. Die Bundesnetzagentur macht diese Daten über SMARD öffentlich zugänglich — die Quelle, die auch diese Seite stündlich abfragt.

Das Merit-Order-Prinzip

Der Preis für jede Stunde entsteht nach einem einfachen Prinzip: Alle Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten sortiert, günstigste zuerst — das ist die sogenannte Merit-Order. Wind- und Solarkraftwerke haben nahezu keine variablen Kosten und stehen daher fast immer ganz vorn in dieser Reihenfolge. Kohle- und Gaskraftwerke sind teurer und kommen erst zum Einsatz, wenn die günstigeren Quellen die Nachfrage nicht decken.

Entscheidend: Das zuletzt benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für die gesamte Stunde — alle Anbieter erhalten denselben Preis, unabhängig von ihren tatsächlichen Kosten. An einem sonnigen, windigen Tag mit viel Solar- und Windstrom reicht oft schon die günstige Erzeugung aus erneuerbaren Quellen, um die Nachfrage zu decken — der Preis für diese Stunde fällt entsprechend niedrig aus, in Extremfällen sogar unter null (siehe Negative Strompreise).

Warum schwankt der Preis so stark im Tagesverlauf?

Die Nachfrage nach Strom ist im Tagesverlauf nicht konstant: Morgens und abends, wenn viele Haushalte gleichzeitig heizen, kochen oder Geräte nutzen, ist sie besonders hoch — gleichzeitig liefert die Solareinspeisung zu diesen Zeiten wenig oder gar nichts. Das treibt tendenziell teurere Kraftwerke in die Merit-Order und damit den Preis nach oben. Mittags, wenn die Sonne am höchsten steht, kann die Solareinspeisung die Nachfrage streckenweise fast allein decken — der Preis fällt entsprechend.

Das aktuelle Preismuster für den heutigen und morgigen Tag zeigt die Seite Strompreis heute & morgen mit echten SMARD-Daten, stündlich aktualisiert.

Was das für dynamische Tarife bedeutet

Ein dynamischer Stromtarif gibt genau diesen Day-Ahead-Preis (zuzüglich eines festen Anbieter-Aufschlags) an Sie weiter. Wer Verbrauch — etwa das Laden eines E-Autos oder den Betrieb einer Wärmepumpe — in die günstigen Mittagsstunden verschieben kann, profitiert direkt vom Merit-Order-Effekt der hohen Solareinspeisung.

Häufige Fragen

Wo werden die Day-Ahead-Preise veröffentlicht?

Über SMARD.de, die Plattform der Bundesnetzagentur — die Ergebnisse der täglichen Auktion sind dort ab ca. 12:55 Uhr für den Folgetag einsehbar.

Was ist die Merit-Order?

Das Prinzip, nach dem Kraftwerke nach ihren Grenzkosten (günstigste zuerst) zum Einsatz kommen. Das zuletzt benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für die gesamte Stunde.

Warum ist Strom mittags oft günstiger als morgens oder abends?

Mittags liefert die Solareinspeisung ihren Höchstwert, was günstige Kraftwerke in der Merit-Order weiter nach vorn rückt. Morgens und abends ist die Nachfrage hoch, während wenig Solarstrom verfügbar ist — das treibt den Preis nach oben.

Quellen

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